04.09.20

«Wir wollen der Verpackung einen Wert geben»

Die Freude im achtköpfigen Team des Berner Start-Ups reCIRCLE ist gross: soeben wurde dieses am diesjährigen Swiss Economic Forum mit dem bedeutenden Award für Jungunternehmen ausgezeichnet. «Es ist für mein Team und mich eine riesige Anerkennung für die Aufbauarbeit der vergangnen vier Jahre. Denn wir sind überzeugt, dass Verpackung in einen Ressourcenkreislauf gehört und wir somit beweisen konnten, dass auch ein primärer Kreislauf, also vor dem Recycling, funktionieren kann. Wir danken der Jury und all unseren 1300 Partnern und unseren Finanz- und Geschäftspartnern für das Vertrauen und freuen uns, dass unsere Vision von «Einweg zu Mehrweg» weiter hinaus getragen wird» sagt eine glückliche Jeannette Morath.
 

Die Geschäftsidee

Das Konzept von reCIRCLE ist simpel, aber durchdacht: Der Kunde nimmt für sein Takeaway-Menü eine der wiederverwendbaren reCIRCLE-Boxen. Nach der Verpflegung aus der Box gibt er diese einfach bei den teilnehmenden Partnern von reCIRCLE ab oder behält die Box zur erneuten Verwendung. Eine Box kostet 10 Franken. Aktuell gehören knapp 1300 Betriebe in der Schweiz, vom Fine Dining-Restaurant in Firmen über den Kebabstand und dem Foodtruck im Quartier bis zu Systemgastronomie-Unternehmen, der Bewegung an. Produziert werden die Box in der Schweiz, ab diesem Jahr klimaneutral. Jeannette Morath: «Täglich sind in der Schweiz rund 50’000 Boxen im Umlauf, das heisst, es werden 50'000 Einwegschalen ersetzt. Das sind 1’000 vermiedene Abfallsäcke an einem einzigen Tag. Und täglich kommen mehr dazu. Das hilft auch dem Klima».

Von der Vision zur Firmengründung

Erste Erfahrungen mit Mehrweg sammelte Jeannette Morath bei ihrer ehemaligen Arbeitgeberin Entsorgung + Recycling Stadt Bern, welche schon 2007 den Mehrweggedanken für Veranstaltungen auf öffentlichem Grund verankerte. Sie beriet Veranstalter abfallfrei zu werden und von dort war der Schritt zum Mehrwegsystem im Takeaway nicht mehr gross. Im Jahr 2014 testete die Unternehmerin mit einer Arbeitsgruppe und mit Unterstützung eines Umwelttechnologie-Kredits vom Bundesamt für Umwelt (BAFU) ein Pilotprojekt. Der Pilot war ein Erfolg und für Jeannette Morath die Initialzündung, endlich ihre Vision von erschwinglichen, ökologischeren und vor allem kreislauffähigen Mehrwegprodukten umzusetzen.

Wie geht es weiter

«Wir wollen der Verpackung einen Wert geben». So das Credo der jungen Firma. Dafür tüftelt eine erfahrene Expertengruppe ständig an weiteren Lösungen. «In der Box können Essensreste auch aufgehoben werden und werden nicht, wie in einer Einwegverpackung in der Regel, weggeworfen. Die Mehrwegverpackung erfüllt also einen weiteren Zweck und hilft gegen Food Waste.

Durch die «New Plastic Regulation» in der EU werden die Gastrobetriebe in Europa ab 2021 gezwungen sein, sich über ökologische Verpackungen Gedanken zu machen bzw. Lösungen zu bieten. Und auch hier trifft die Geschäftsidee von reCIRCLE den Nerv der Zeit: «Der Trend, Einweg-Verpackungen durch kreislauffähige zu ersetzen, nimmt dabei zu» hält Morath fest: «Einweg-Verpackungen werden überall auf der Welt zu einem problematischen Thema. Nach wie vor ist Abfall eine allgegenwärtige Realität und stellt für die Umwelt, Gesellschaften, Regierungen und Endverbraucher eine Herausforderung dar. Das Bewusstsein für Umweltfragen nimmt zu und die Menschen sind bereit, Massnahmen zu ergreifen» ist das Führungsteam von reCIRCLE überzeugt und möchte ab dem Jahr 2021 das System mit Franchisenehmern in Europa ausdehnen.

Über reCIRCLE

Im August 2016 startete das neu gegründete Start-Up reCIRCLE mit insgesamt 24 Partnern im Netzwerk. Vier Jahre nach Markteintritt machen bereits 1300 Unternehmen, davon rund 2/3 Restaurants mit Takeaway-Angebot und rund 1/3 Mensen und Mitarbeiterrestaurants im Netzwerk mit. So gehören auch bereits zahlreiche Gastronomie-Grossunternehmen wie die Coop Gastronomie, SV Group, Compass Group (Schweiz), die ZFV-Unternehmungen und in der Westschweiz die Eldora und die Novae Restauration zu den Partnern, welche in den von ihnen betriebenen oder hauseigenen Restaurants das Mehrwegsystem von reCIRCLE anbieten.

Das Sortiment

Die reCIRCLE Boxen gibt es in fünf verschiedenen Grössen – mit tiefem oder hohen Rand, für Menüs, Salate und Suppen. Alle Boxen sind stapelbar, gut belüftet und jeweils mit passendem, gut schliessendem Deckel. Neu bietet reCIRCLE auch ein innovatives Besteck an, das zweiteilige reCIRCLE Besteck Spife, ein Mix aus Löffel und Messer (Spoon und Knife = Spife) und eine Gabel.

Für interessierte Gastronomiebetriebe

Partnerbetriebe ermöglichen Gästen schweizweit ein unkompliziertes Rückgabesystem: Wer sein reCIRCLE Mehrweggeschirr in einem Zürcher Takeaway bezieht, kann es beispielsweise auch in Genf oder Bern wieder abgeben. Interessierte Partnerbetriebe können das Mehrwegsystem drei Monate lang testen. Eine Partnerschaft kostet 150 Franken im Jahr. Für den exklusiven Zugang, Austausch und Rückgabe der reCIRCLE-Produkte, wird zusätzlich ein Abonnement abgeschlossen.

Für interessierte Privatpersonen
Die Partnerbetriebe sind an der reCIRCLE Flagge oder dem Label am Eingang zu erkennen. Aktuelle Partnerbetriebe sind hier auf der Karte eingetragen. Einzelne Produkte gibt es auch im Webshop von reCIRCLE zu kaufen.

 

www.recircle.ch

 

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