reCIRCLE – von Wegwerf zu Mehrweg mit System

Aktuelle Zahlen und die Trendforschung belegen: die Ausserhausverpflegung nimmt stetig zu und bedingt durch Corona, haben auch viele Restaurationsbetriebe auf Lieferservice oder Takeaway umgestellt. «Essen und Getränke müssen in passende Gefässe hygienisch verpackt werden und transportfähig sein. Einweggefässe produzieren eine Unmenge von Abfall und sind oft nicht dicht», so die Gründerin von reCIRCLE, die gebürtige Schaffhauserin, Jeannette Morath. Und hier setzt die Geschäftsidee von reCIRCLE AG an.

 


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Von der Vision zur Firmengründung

Erste Erfahrungen mit Mehrweg sammelte Jeannette Morath bei ihrer ehemaligen Arbeitgeberin Entsorgung + Recycling Stadt Bern, welche schon 2007 im neuen Abfallreglement im Artikel 4 den Mehrweggedanken für Veranstaltungen auf öffentlichem Grund verankerte. Sie beriet Veranstalter abfallfrei zu werden und von dort war der Schritt zum Mehrwegsystem im Takeaway nicht mehr gross. Es folgten zeitintensive Recherchen, Umfragen und Abklärungen, insbesondere zu Hygiene, Pfandsystemen und Mehrwertsteuer. Im Jahr 2014 testete die Unternehmerin mit einer Arbeitsgruppe und mit Unterstützung eines Umwelttechnologie-Kredits vom Bundesamt für Umwelt (BAFU) ein Pilotprojekt. Es wurde getestet ob ein offenes Mehrwegsystem von Konsumierenden und Gastronomen überhaupt akzeptiert würde. Der Pilot war ein Erfolg und für Jeannette Morath die Initialzündung, endlich ihre Vision von erschwinglichen, ökologischeren und vor allem kreislauffähigen Mehrwegprodukten umzusetzen.

Der Startschuss zum Start-Up

Im August 2016 war es dann soweit: reCIRCLE startete mit insgesamt 24 Partnern im Netzwerk. «Eine intensive Startphase kennt jedes Start-Up. Es mussten Partner und Produzenten überzeugt, Mittel zusammengetragen sowie Produkte entwickelt und produziert werden. Dabei mussten wir auch viel Überzeugungsarbeit leisten». Einer der Partner ist der Produzent der reCIRCLE Boxen, die Stefan Kälin AG in Einsiedeln. «Daniel Kälin hat immer an unsere Geschäftsidee geglaubt, uns bei der Entwicklung und Umsetzung der Produkte unterstützt und einige Male Zahlungsaufschub gewährt,» so Morath weiter.

Vier Jahre nach Markteintritt machen bereits 1300 Unternehmen, davon rund 2/3 Restaurants mit Takeaway-Angebot und rund 1/3 Mensen und Mitarbeiterrestaurants im Netzwerk mit. So gehören auch bereits zahlreiche Gastronomie-Grossunternehmen wie die Coop Gastronomie, SV Group, Compass Group (Schweiz), die ZFV-Unternehmungen und in der Westschweiz die Eldora und die Novae Restauration zu den Partnern, welche in den von ihnen betriebenen oder hauseigenen Restaurants das Mehrwegsystem von reCIRCLE anbieten.

Die EU erlässt strengere Regeln

Durch die «New Plastic Regulation» in der EU werden die Gastrobetriebe in Europa ab 2021 gezwungen sein, sich über ökologische Verpackungen Gedanken zu machen bzw. Lösungen zu bieten. Und auch hier trifft die Geschäftsidee von reCIRCLE den Nerv der Zeit: «Der Trend, Einweg-Verpackungen durch kreislauffähige zu ersetzen, nimmt dabei zu» hält Morath fest: «Europa hat mit der Umsetzung von Regeln und Vorschriften zur Überwachung und Verbesserung der derzeitigen Recyclingpolitik begonnen. Einweg-Verpackungen werden überall auf der Welt zu einem problematischen Thema. Diese Vorschriften werden erhebliche Auswirkungen auf den Takeaway-Lebensmittelsektor haben. Nach wie vor ist Abfall eine allgegenwärtige Realität und stellt für die Umwelt, Gesellschaften, Regierungen und Endverbraucher eine Herausforderung dar. Das Bewusstsein für Umweltfragen nimmt zu und die Menschen sind bereit, Massnahmen zu ergreifen» ist das Führungsteam von reCIRCLE überzeugt und möchte mittelfristig das System mit Franchisenehmern in Europa ausdehnen.

Mehrwegverpackung als Dienstleistung

«Wir wollen der Verpackung einen Wert geben». So das Credo der jungen Firma. Dafür tüftelt eine erfahrene Expertengruppe ständig an weiteren Lösungen. «Aktuell sind wir dabei, eine Mehrwegverpackung für Lieferdienste – insbesondere für Pizzas zu kreieren. Essen ist etwas Elementares. In der Box können Essensreste auch aufgehoben werden und werden nicht, wie in einer Einwegverpackung in der Regel, weggeworfen. Die Mehrwegverpackung erfüllt also einen weiteren Zweck und hilft gegen Food Waste. Unser Ziel ist es, dass Mehrweg zur Norm wird. Dies bedingt auch eine Verhaltensänderung bei den Konsumenten. Und hier setzt reCIRCLE mit unseren ökologischen, erschwinglichen und vor allem kreislauffähigen Produkten an» sagt Jeannette Morath weiter.

Ein eigener Chief Happiness Manager

Nicht nur die Themen Nachhaltigkeit, Innovation, Verpackung, Essen und Geniessen stehen bei reCIRCLE im Fokus. Auch das sechsköpfige Team um CEO Jeannette Morath ist ein wichtiger Teil davon, die Kernidee von reCIRCLE nach aussen zu tragen. «In einem Start-Up bedarf es oft an Improvisation und daher ist es wichtig, dass trotz der manchmal hektischen Phasen, sich alle im Team wohlfühlen. Daher haben wir einen eigenen Chief Happiness Manager ernannt. Dieser sorgt für das allgemeine Wohlbefinden im Unternehmen und kümmert sich um gemeinsame Mittagessen, Feierabendbiere, gestaltet kleine Events, die Geburtstage uvm. Auch unsere Teamsitzungen werden nicht nur von mir geleitet. Es sind alle eingeladen, diese abwechselnd zu moderieren und wir haben die Devise, dass wir nie über Probleme sprechen, sondern über Lösungen. Dies ändert die Perspektive komplett. Dies erachte ich als grundlegend, für eine gesunde und erfolgreiche Unternehmenskultur, wie wir sie leben wollen», erläutert Jeannette Morath weiter.

Das Sortiment - Aubergine erobert die Schweiz als Mehrweg-Farbe

Die reCIRCLE Boxen gibt es in fünf verschiedenen Grössen – mit tiefem oder hohen Rand, für Menüs, Salate und Suppen. Alle Boxen sind stapelbar, gut belüftet und jeweils mit passendem, gut schliessendem Deckel. 

Die Mehrwegprodukte werden in der Schweiz klimaneutral produziert und sind aus hochwertigem, geruchslosen und gesundheitlich unbedenklichen Kunststoff und können mindestens 200 Mal in der Abwaschmaschine gewaschen werden. Sie sind zudem mikrowellentauglich, können bis 121°C erhitzt werden und zum Einfrieren von Vorräten genutzt werden. «Wir mussten für die reCIRCLE-Produkte eine Farbe wählen, welche sichtbar ist und sich von den bestehenden Verpackungsfarben abhebt. Zudem soll jedes Essen darin gut ausschauen. Daher wählten wir die Farbe Aubergine. Alle Essensfarben passen gut zur Farbe der reCIRCLE Box: ob Salatgrün, Tomatensaucenrot oder Currygelb. In einer helleren Schale würde man jede kleine Verfärbung sehen, weil es stark färbende Lebensmittel gibt, wie Kurkuma, Randen oder Karotten» begründet Morath die Farbenwahl. «Die Farbe musste auch für alle Geschlechter passen. Die bisherigen Erfahrungen haben gezeigt, dass es funktioniert.»



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Spife reCIRCLE

Neu bietet reCIRCLE auch ein innovatives Besteck an, das zweiteilige reCIRCLE Besteck Spife, ein Mix aus Löffel und Messer (Spoon und Knife = Spife) und eine Gabel. Diese sind so designt, dass die Gabel exakt auf den Löffel passt. Das Besteck ist aus demselben Material hergestellt, wie die Box und wird ebenfalls in Einsiedeln produziert. In einigen Restaurants wird es für BOX-Besitzer*innen gratis als Geschenk abgegeben.

Warum Kunststoff?

«Wir haben uns sehr lange mit der Thematik auseinandergesetzt und auch die verschiedenen Zielgruppen befragt, was sie von einer wiederverwendbaren Verpackung erwarten». Aus allen gemachten Untersuchungen und Tests, hat das Expertenteam daraufhin Polybutylenterephthalat mit 30 % Glasfaser (PBT GF30) gewählt, kurz PBT. «Um die Schalen speziell hydrolysebeständig und schnell trocknend zu machen fügen wir 30% Glasfasern bei, die reCIRCLE BOXen bestehen also strenggenommen nur aus 70% Kunststoff. PBT ist zudem ein Kunststoff, den es schon sehr lange auf dem Markt gibt und der schon seit Jahren für die Lebensmittelverpackung eingesetzt und geprüft wird. Dieser enthält auch keine schädlichen Weichmacher oder hormonaktive Additive». Das unter Verdacht stehende BPA sei vollständig entfernt und sogar alle tierischen Fette hätten entfernt werden können. «Plastik wird heute oft verteufelt, weil der falsch entsorgt wird, zum Beispiel im Meer oder im Wald und er visuell omnipräsent ist. Einwegplastik ist nicht dasselbe wie Mehrwegplastik», bekräftigt Karin Burn, stellvertretende Geschäftsleiterin und verantwortlich für den Deutschschweizer Markt und die Geschäftsentwicklung.

Eigener Recyling-Kreislauf

Die Deckel der Boxen werden seit dem ersten Tag recycelt und daraus Bauteile gefertigt. Die Boxen könnten praktisch jetzt schon regranuliert und wiederverwendet werden, doch der Recycling-Prozess ist noch nicht vom zuständigen Bundesamt genehmigt worden. «Ziel ist es, in Zukunft den neu produzierten reCIRCLE BOXen 10 bis 20 Prozent recyceltes Material zuzumischen. So werden aus Boxen wieder Boxen und der Kreislauf wäre ganz geschlossen. Die Genehmigung könnte noch einige Zeit in Anspruch nehmen. Bis dahin sammeln wir das Material und bewahren es auf. Momentan haben wie sowieso nur wenig Rückgaben, denn unsere Boxen sind extrem langlebig!» freut sich die Mehrweg-Pionierin.

Die Umwelt

Auch die Zahlen und Fakten zur Umwelt sprechen eine klare Sprache: Täglich sind in der Schweiz rund 50’000 Boxen im Umlauf, das heisst, es werden 50'000 Einwegschalen ersetzt. Das sind 1’000 vermiedene Abfallsäcke in einem einzigen Tag. Und täglich kommen mehr dazu. Das hilft auch dem Klima: In einer Einwegverpackung stecken es zwischen 80 und 180 Gramm CO2. Gerechnet mit im Mittel 100 Gramm CO2 pro Einweg ergibt das 5 Tonnen eingespartes CO2 pro Tag. Auf das Jahr gerechnet (260 Arbeitstage) ergibt das 1’300 Tonnen eingespartes CO2. Dazu einige interessante Vergleiche:
https://www.oekoservice.ch/images/news/2016/Factsheet_Swiss_Climate_Wie_viel_ist_eine_Tonne_CO2.pdf

Das Geschäftsmodell

Das Konzept von reCIRCLE ist simpel, aber durchdacht: Der Kunde nimmt für sein Take-away-Menü eine der wiederverwendbaren reCIRCLE-Boxen. Nach der Verpflegung aus der Box gibt man diese einfach bei den teilnehmenden Partnern von reCIRCLE ab oder behält die Box zur erneuten Verwendung. Eine Box kostet 10 Franken. «Dass wir bereits so viele Partnerbetriebe motivieren konnten im Netzwerk dabei zu sein, schafft grosse Sichtbarkeit für unser Vision: von Wegwerf zu Mehrweg. Zugleich wird es für die reCIRCLE-Nutzer*innen durch das immer grösser werdende Netzwerk auch stets bequemer», freut sich Christoph Mumenthaler, Sales- und Projektleiter für die Romandie.

Die reCIRCLE App

Seit kurzem bietet reCIRCLE auch eine eigene App für ihre Kunden an. Eine moderne, NFC-basierte Smartphone Applikation, mit welcher das Depothandling digitalisiert wird. Sie enthält zudem eine Übersichtskarte aller reCIRCLE Partner und eine Treuepunktefunktion für die Kundenbindung.

Covid-19: wie steht es um die Hygiene?

Bei der Entwicklung der Boxen sei der Fokus schon vor der Pandemie auf Sicherheit und Hygiene bedacht gewesen. Eine dichte Schliessung des Deckels stand im Fokus sowie auch eine komplett hygienische Reinigung bei 80° Grad bei den Partnerbetrieben in der Abwaschmaschine. Deshalb sei die Nahrungsmittelsicherheit immer garantiert. Entsprechende Empfehlungen zu Sicherheit und Hygiene gebe reCIRCLE konstant an seine Partnerbetriebe ab. «Unsere Partner werden angewiesen, beim Auffüllen der Boxen ein bestimmtes Handling einzuhalten, zum Beispiel, dass das Schöpfbesteck die Boxen nicht berühren», erläutert Morath.

Im Final des Swiss Economic Forum 2020

Der Swiss Economic Award ist der bedeutendste Jungunternehmerpreis der Schweiz. Die begehrte Auszeichnung prämiert herausragende unternehmerische Leistungen in drei Kategorien. «reCIRCLE» wurde in einem mehrstufigen Jurierungsprozess von fachkundigen Expertinnen und Experten in der Kategorie Produktion/Gewerbe ins Finale gewählt. Die Finalisten treten am 2. und 3. September 2020 am Swiss Economic Forum vor Vertreterinnen und Vertretern der Schweizer Wirtschaft, Wissenschaft und Politik auf.

www.recircle.ch

 

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